Gründerwettbewerbe

Gründerwettbewerb gewinnen: Was Jurys an Businessplänen prüfen

Wie Juroren Businesspläne lesen und bewerten, welche Kriterien in fast allen Wettbewerben vorkommen und womit Health-Startups Punkte gewinnen oder verschenken.

Jurys in Gründerwettbewerben prüfen vor allem, ob ein Businessplan schlüssig und belegt ist: Gibt es ein echtes Problem, zahlende Kunden, ein tragfähiges Geschäftsmodell und ein Team, das den Plan umsetzen kann? Die Kriterien stehen meist in den Teilnahmebedingungen, werden aber unterschiedlich gewichtet. Bei Health-Startups fragen Juroren zusätzlich nach medizinischem Nutzen, Zulassung und Erstattung. Dieser Beitrag zeigt, wie Bewertungen typischerweise ablaufen und wie Sie Ihren Plan darauf ausrichten.

Eine Übersicht über Formate und Ausrichter gibt der Bereich Gründerwettbewerbe im Gesundheitsmarkt. Hier geht es um die Bewertung selbst.

So läuft die Bewertung ab

Die meisten Businessplan-Wettbewerbe arbeiten in mehreren Stufen. Zuerst wird formal geprüft, dann bewerten mehrere Juroren unabhängig voneinander anhand eines Bewertungsbogens, am Ende entscheidet oft eine Jurysitzung oder ein Pitch über die Platzierung.

Stufe Was geprüft wird Typische Ausschlussgründe
Formale Prüfung Frist, Umfang, Pflichtkapitel, Teilnahmeberechtigung verspätet, zu lang, fehlende Anlagen, Unternehmen zu alt
Schriftliche Bewertung Inhalt anhand von Kriterien und Punkteskala fehlende Finanzplanung, unklare Zielgruppe
Jurysitzung Abgleich der Einzelbewertungen, Diskussion stark abweichende Bewertungen ohne überzeugende Begründung
Pitch Auftritt, Antworten auf Rückfragen Team kann Kernfragen nicht beantworten

Wichtig ist der Bewertungsbogen. Viele Wettbewerbe veröffentlichen ihn oder zumindest die Kriterien. Wenn ja, sollte Ihr Plan diese Kriterien in derselben Reihenfolge und mit erkennbaren Überschriften abarbeiten. Juroren finden die Informationen dann schneller und vergeben weniger Punkte aus Unsicherheit.

Die fünf Kriterien, die fast überall vorkommen

1. Problem, Lösung und Innovationsgrad

Juroren wollen verstehen, welches Problem Sie lösen, für wen und was besser ist als heute. Innovation heißt dabei nicht nur neue Technik, sondern messbarer Vorteil. Beschreiben Sie den Status quo konkret und den Unterschied in Zahlen oder überprüfbaren Aussagen.

Punkte gewinnt: ein Satz, der Problem, Zielgruppe und Nutzen verbindet. Punkte kostet: eine Technikbeschreibung ohne Bezug zum Anwender.

2. Markt und Kunden

Gefragt sind Zielgruppe, Marktgröße, Wettbewerb und Zugang zu den Kunden. Marktgrößen aus allgemeinen Branchenstudien überzeugen wenig. Besser ist eine Herleitung von unten: Wie viele Kunden kommen infrage, wie viel zahlen sie, welcher Anteil ist in drei bis fünf Jahren realistisch?

Punkte gewinnt: Gespräche mit potenziellen Kunden, Absichtserklärungen, Pilotanfragen. Punkte kostet: “Wir haben keine Wettbewerber”.

3. Geschäftsmodell und Finanzplanung

Juroren prüfen, ob Umsätze, Kosten und Kapitalbedarf zusammenpassen. Der Finanzplan muss nicht exakt sein, aber nachvollziehbar. Annahmen sollten getrennt ausgewiesen und begründet sein.

Punkte gewinnt: eine Annahmentabelle mit Quellen und eine Liquiditätsplanung, die den Kapitalbedarf zeigt. Punkte kostet: Umsatzkurven ohne Herleitung und ein Break-even im ersten Jahr ohne Begründung.

4. Team

Das Team ist in vielen Wettbewerben ein stark gewichtetes Kriterium. Gezeigt werden sollte, wer welche Kompetenz mitbringt, wer Vollzeit arbeitet und wie Lücken geschlossen werden.

Punkte gewinnt: offene Benennung von Lücken mit konkretem Plan. Punkte kostet: Beiratsmitglieder, die nur als Namen auftauchen, oder ein Team ohne kaufmännische Kompetenz.

5. Umsetzbarkeit und Risiken

Meilensteine, Zeitplan, Ressourcen und Risiken zeigen, ob das Vorhaben realistisch ist. Juroren schätzen eine ehrliche Risikotabelle mehr als einen Plan ohne Schwächen.

Was Health-Startups zusätzlich zeigen müssen

In Wettbewerben mit Gesundheitsschwerpunkt oder mit Juroren aus Klinik und Medizintechnik kommen eigene Fragen hinzu. Fehlen die Antworten, verliert der Plan in mehreren Kriterien gleichzeitig Punkte.

Checkliste Gesundheitskriterien

  • Ist die Zweckbestimmung formuliert, und passt die angenommene Risikoklasse dazu?
  • Ist erkennbar, welche klinischen Daten vorhanden sind und welche noch erhoben werden müssen?
  • Ist der Weg zur CE-Kennzeichnung oder zum DiGA-Verzeichnis mit Zeit und Kosten im Plan berücksichtigt?
  • Sind Nutzer, Entscheider und Zahler getrennt beschrieben?
  • Ist der Erstattungsweg benannt, und beginnt der Umsatz nicht vor dem rechtmäßigen Marktzugang?
  • Sind Datenschutz und Informationssicherheit bei Gesundheitsdaten angesprochen?
  • Liegen die Rechte an der Technologie beim Unternehmen?

Wie diese Punkte in die Gliederung eingebaut werden, zeigt der Beitrag zum Businessplan für ein Medizintechnik-Startup. Die allgemeine Struktur beschreibt der Businessplan-Leitfaden.

Beispiel: Ein vereinfachter Bewertungsbogen

Die folgende Tabelle ist ein fiktives Beispiel, wie ein Bewertungsbogen aufgebaut sein kann. Gewichtungen und Skalen unterscheiden sich in echten Wettbewerben und stehen in deren Unterlagen.

Kriterium Leitfrage Gewicht im Beispiel
Problem und Lösung Ist der Nutzen klar und belegt? 20 Prozent
Markt und Kunden Ist der Markt realistisch hergeleitet? 20 Prozent
Geschäftsmodell und Finanzen Passen Erlöse, Kosten und Kapitalbedarf zusammen? 20 Prozent
Team Kann dieses Team den Plan umsetzen? 25 Prozent
Umsetzung und Risiken Sind Meilensteine und Risiken realistisch? 15 Prozent

Jedes Kriterium wird in solchen Bögen meist auf einer Skala bewertet und mit Stichworten begründet. Diese Begründungen werden oft als schriftliches Feedback an die Teams weitergegeben und sind für die Überarbeitung wertvoller als die Platzierung.

Typische Punktabzüge

  1. Die Zusammenfassung sagt nichts Konkretes. Sie wird am gründlichsten gelesen. Nennen Sie Problem, Lösung, Zielkunden, Erlösmodell, Kapitalbedarf und den nächsten Meilenstein.
  2. Annahmen sind nicht belegt. Jede wichtige Zahl braucht eine Quelle oder eine nachvollziehbare Herleitung.
  3. Fachsprache ohne Erklärung. Juroren kommen aus verschiedenen Bereichen. Ein Investor kennt nicht jede MDR-Regel, eine Ärztin nicht jede Finanzkennzahl.
  4. Vorgaben werden ignoriert. Überschrittene Seitenzahlen, fehlende Pflichtkapitel oder falsche Dateiformate kosten unnötig Punkte.
  5. Widersprüche zwischen Text und Zahlen. Wenn der Text zwei Vertriebsmitarbeiter nennt, der Finanzplan aber keinen, fällt das auf.
  6. Der Zahler fehlt. Gerade in Gesundheitsthemen ist “Patienten profitieren” keine Antwort auf die Frage, wer das Produkt bezahlt.

Formale Vorgaben, die oft übersehen werden

Bevor ein Juror den Inhalt liest, prüft die Organisation die Form. Gerade erfahrene Teams verlieren hier unnötig, weil sie einen Plan aus einem anderen Wettbewerb oder Förderantrag unverändert einreichen.

Checkliste formale Prüfung

  • Teilnahmeberechtigung: Gründungsdatum, Sitz, Teamgröße oder Hochschulbezug passen zu den Bedingungen.
  • Umfang: Seitenzahl, Schriftgröße und Anlagen entsprechen den Vorgaben, Anhänge werden oft nicht bewertet.
  • Gliederung: Pflichtkapitel des Wettbewerbs sind vorhanden und erkennbar benannt.
  • Finanzteil: Zeitraum, Format und gegebenenfalls eine vorgegebene Tabellenvorlage sind eingehalten.
  • Einreichung: Dateiformat, Dateiname und Upload rechtzeitig vor Fristende, nicht in der letzten Stunde.
  • Vertraulichkeit: Teilnahmebedingungen zu Weitergabe und Nutzungsrechten an den Unterlagen gelesen.

Planen Sie für die Anpassung an einen neuen Wettbewerb mindestens einen vollen Arbeitstag ein. Eine Zusammenfassung, die die Sprache und Kriterien des jeweiligen Wettbewerbs aufgreift, wirkt deutlich stärker als ein Standardtext.

Vom schriftlichen Plan zum Pitch

Viele Wettbewerbe enden mit einer Präsentation vor Jury und Publikum. Dort zählen Klarheit und souveräne Antworten auf Rückfragen. Bereiten Sie sich auf die naheliegenden Fragen vor: Wer zahlt? Wie lange dauert die Zulassung? Was kostet sie? Was passiert, wenn die Risikoklasse höher ausfällt? Wie Sie die Folien aufbauen, erklärt der Beitrag zum Pitch Deck für Health-Startups.

Nach der Bewertung

Ein Wettbewerb ist vor allem eine strukturierte Rückmeldung von Fachleuten. Werten Sie das Feedback systematisch aus, überarbeiten Sie Plan und Pitch und nehmen Sie Kontakt zu Juroren auf, wenn der Wettbewerb das vorsieht. Eine gute Platzierung hilft bei späteren Gesprächen mit Förderstellen und Investoren, ein gründlich überarbeiteter Plan hilft noch mehr.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie viel Zeit hat ein Juror für einen Businessplan?
Das ist je nach Wettbewerb sehr unterschiedlich. Juroren arbeiten meist ehrenamtlich und bewerten mehrere Pläne in kurzer Zeit. Gehen Sie davon aus, dass die Zusammenfassung gründlich gelesen und der Rest gezielt geprüft wird. Eine klare Gliederung, aussagekräftige Überschriften und Tabellen helfen, die gesuchten Informationen schnell zu finden.
Darf ich einen Businessplan bei mehreren Wettbewerben einreichen?
In der Regel ja, sofern die Teilnahmebedingungen das nicht ausschließen. Passen Sie Gliederung, Umfang und Schwerpunkte an die Vorgaben jedes Wettbewerbs an. Ein Plan, der eine Seitenbegrenzung überschreitet oder Pflichtkapitel auslässt, verliert oft schon in der formalen Prüfung.
Ist mein Businessplan im Wettbewerb vor Weitergabe geschützt?
Seriöse Wettbewerbe verpflichten Juroren zur Vertraulichkeit und regeln das in den Teilnahmebedingungen. Lesen Sie diese Regeln vor der Einreichung. Technische Details, die noch nicht durch eine Patentanmeldung geschützt sind, gehören trotzdem nicht in den Plan, weil auch eine vertrauliche Weitergabe ein Risiko bleibt.
Was tun mit schlechtem Jury-Feedback?
Nutzen Sie es als kostenlose Prüfung. Sortieren Sie die Kritikpunkte nach Häufigkeit und Gewicht: Wenn mehrere Juroren dasselbe bemängeln, ist es fast immer ein echtes Problem. Einzelmeinungen sollten Sie prüfen, aber nicht zwingend übernehmen. Viele Teams schneiden in späteren Runden oder Wettbewerben deutlich besser ab, weil sie das Feedback umgesetzt haben.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026.